Privatspieler: Gewinne sind einkommensteuerfrei — mit und ohne Lizenz
Die Grundregel ist alt und stabil: Glücksspielgewinne gehören bei Privatpersonen zu keiner der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes. Der Bundesfinanzhof hat das in einer vielzitierten Entscheidung (VIII R 63/96) damit begründet, dass das Spiel „dem Zeitvertreib, der Zerstreuung und dem Nervenkitzel“ dient und keine Leistung im wirtschaftlichen Sinn darstellt. Ein Gewinn von 5.000 € an einem Slot ist deshalb kein Einkommen, muss nicht in der Steuererklärung erscheinen und wird nicht besteuert.
Entscheidend für Leser dieser Seite: Das gilt unabhängig davon, ob der Anbieter eine deutsche, eine maltesische oder eine Lizenz aus Curaçao hat. Die Steuerfreiheit knüpft an die Art der Einkunft an, nicht an die Erlaubnis des Betreibers. Dass die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel strafrechtlich nach § 285 StGB ein eigenes Thema ist, ändert an der steuerlichen Einordnung des Gewinns nichts. Die Behauptung, Gewinne aus Offshore-Casinos seien steuerpflichtig, weil das Casino illegal sei, ist falsch.
5,3 % Automatensteuer: Die Steuer, die Sie trotzdem zahlen
Seit dem 1. Juli 2021 unterliegen virtuelle Automatenspiele bei Anbietern mit deutscher Erlaubnis der Virtuellen Automatensteuer nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz: 5,3 % auf jeden Spieleinsatz, nicht auf den Gewinn und nicht auf den Bruttospielertrag des Anbieters. Schuldner ist der Anbieter. Aber ein Anbieter, der von jedem Euro Einsatz 5,3 Cent an den Fiskus abführt, kann nicht dieselbe Auszahlungsquote anbieten wie einer, der das nicht tut — und hier liegt der Zusammenhang mit der zweiten Frage.
Der Bundesfinanzhof hat die Steuer mit Urteil vom 4. November 2025 (IX R 27/24) bestätigt: Sie verstoße weder gegen die Verfassung noch gegen Europarecht. Die Steuer bleibt also, und mit ihr der Mechanismus, über den sie bei Ihnen ankommt: die RTP-Stufe.
Der RTP-Effekt in Zahlen
Hersteller liefern ihre Slots in mehreren RTP-Varianten aus. Die Standardversion liegt bei den meisten Titeln um 96 %; Anbieter mit deutscher Lizenz wählen regelmäßig eine niedrigere Stufe, um die Steuer auszugleichen. Die Beispiele stammen aus den Herstellerangaben:
| Slot | Hersteller-RTP (Top) | Niedrigere Stufen laut Hersteller |
|---|---|---|
| Razor Shark (Push Gaming) | 96,7 % | 95,05 % · 90,52 % |
| Le Bandit (Hacksaw) | 96,34 % | 94,23 % · 92,17 % · 88,36 % |
| Tombstone R.I.P. (Nolimit City) | 96,08 % | 94,08 % |
| Gates of Olympus (Pragmatic Play) | 96,5 % | 94,5 % in deutschen Versionen beobachtet |
Zwei Prozentpunkte RTP klingen nach wenig. Auf 10.000 € Umsatz sind es 200 € mehr erwarteter Verlust — bei gleichem Spiel, gleichem Einsatz. Ein Casino ohne deutsche Lizenz zahlt keine Automatensteuer und bietet in der Regel die Herstellerversion an; welche RTP-Stufe ein konkretes Casino bei einem konkreten Slot eingestellt hat, zeigt die Spielinfo im Slot selbst, und die sollte man vor dem ersten Einsatz prüfen, weil auch Offshore-Casinos niedrigere Stufen einstellen können. Wie das geht, steht im Slot-Guide.
„Steuerfrei“ gilt für den Gewinn bei beiden Arten von Anbietern. Der Unterschied liegt im Einsatz: Beim lizenzierten Anbieter gehen 5,3 % jedes Einsatzes an den Staat und die RTP sinkt entsprechend; beim Offshore-Anbieter nicht. Das ist der einzige steuerliche Vorteil eines Casinos ohne Limit — und er wird mit dem Verlust des gesamten Spielerschutzes bezahlt.
Krypto-Auszahlungen: Wo § 23 EStG ins Spiel kommt
Wer sich einen Gewinn in USDT oder Bitcoin auszahlen lässt, hat zwei Vorgänge, die steuerlich getrennt betrachtet werden. Der erste ist der Spielgewinn, der wie oben beschrieben steuerfrei bleibt. Der zweite beginnt mit der Gutschrift im Wallet: Ab diesem Moment halten Sie ein Wirtschaftsgut, und ein Gewinn aus dem Verkauf innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung ist ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG. Als Anschaffungszeitpunkt gilt nach der üblichen Lesart die Auszahlung, als Anschaffungskosten der Euro-Wert zu diesem Zeitpunkt.
Bei USDT ist der Kursgewinn in der Praxis gering, weil der Token an den Dollar gebunden ist; ein Kursgewinn kann aber durch die Wechselkursbewegung Euro–Dollar entstehen. Bei Bitcoin oder Ether kann er erheblich sein. Für alle privaten Veräußerungsgeschäfte eines Jahres zusammen gilt eine Freigrenze von 1.000 €: Bleibt der Gesamtgewinn darunter, ist er steuerfrei; liegt er auch nur einen Euro darüber, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig — eine Freigrenze ist kein Freibetrag. Nach Ablauf eines Jahres Haltedauer ist der Verkauf steuerfrei.
- Auszahlungszeitpunkt festhalten Datum, Uhrzeit, Betrag in USDT oder BTC und den Euro-Kurs zu diesem Zeitpunkt notieren. Ein Screenshot der Transaktion im Wallet mit Zeitstempel reicht.
- Verkaufszeitpunkt festhalten Dasselbe beim Verkauf an der Börse; die Börse liefert meist einen Export.
- Differenz berechnen Verkaufserlös minus Euro-Wert bei Auszahlung minus Gebühren. Das ist der Gewinn oder Verlust aus dem Veräußerungsgeschäft.
- Freigrenze prüfen Alle Veräußerungsgeschäfte des Jahres addieren. Unter 1.000 €: nichts zu versteuern, aber Unterlagen aufbewahren. Darüber: Anlage SO in der Steuererklärung — spätestens hier lohnt eine Beratung.
Berufsspieler: Die Ausnahme, die für Slots praktisch nicht greift
Steuerpflichtig werden Spielgewinne, wenn das Spielen zu einer gewerblichen Tätigkeit wird. Die Rechtsprechung hat das für Pokerspieler angenommen, die über Jahre planmäßig, mit Geschick und nachhaltig Gewinne erzielen — Poker ist ein Spiel, bei dem der Spieler durch Entscheidungen auf das Ergebnis Einfluss nimmt. Bei Slots fehlt genau dieses Element: Der Ausgang hängt allein vom Zufallsgenerator ab, eine „berufliche“ Tätigkeit im steuerlichen Sinn lässt sich daraus nach allem, was ich kenne, nicht konstruieren. Wer regelmäßig hohe Beträge an Slots setzt, ist steuerlich deshalb weiter Privatspieler. Für Blackjack- oder Pokerspieler mit hohen, regelmäßigen Gewinnen ist die Grenze weniger klar, und dort ist eine Beratung angezeigt.
Dokumentation: Warum Sie Belege trotzdem brauchen
Steuerfrei heißt nicht unsichtbar. Eine Auszahlung von 8.000 € auf das Girokonto fällt der Bank auf, und Banken sind nach dem Geldwäschegesetz zu Verdachtsmeldungen verpflichtet. Fragt die Bank oder das Finanzamt nach der Herkunft, müssen Sie belegen können, dass es sich um einen Spielgewinn handelt und nicht um unversteuerte Einkünfte. Das gelingt mit wenigen Unterlagen:
- Kontoauszug des Casinos mit Einzahlungen, Einsätzen und Auszahlungen — bei allen fünf Casinos meiner Liste im Kontobereich abrufbar, bei Snatch auf Anfrage im Chat.
- Auszahlungsbestätigung des Casinos per E-Mail.
- Transaktionsnachweis des Zahlungsdienstes (Skrill, MiFinity, Blockchain-Explorer bei Krypto).
- Bei Krypto zusätzlich die Kurse zu Auszahlung und Verkauf, wie oben beschrieben.
Warum das wichtig ist, zeigt der Ablauf einer solchen Nachfrage: Die Bank meldet sich, bittet um Erklärung und kann das Konto bis zur Klärung einschränken. Wer dann innerhalb eines Tages den Casino-Kontoauszug, die Auszahlungsbestätigung und den Verlauf des Zahlungsdienstes vorlegt, hat die Sache in der Regel erledigt; wer nichts vorlegen kann, verlängert das Verfahren und riskiert, dass die Bank die Geschäftsbeziehung beendet. Nachfragen betreffen nach meiner Beobachtung eher Banküberweisungen und Kartengutschriften als E-Wallets, weil dort der Absender als Casino erkennbar ist — ein Grund mehr, Auszahlungen über Skrill, MiFinity oder USDT laufen zu lassen und erst von dort aufs Konto.
Ich bewahre diese Unterlagen für jede Auszahlung über 1.000 € auf, sortiert nach Casino und Datum, mindestens bis zum Ende des übernächsten Jahres. Dass eine Bank eine Verdachtsmeldung abgibt, bedeutet keine Steuerpflicht — es bedeutet eine Nachfrage, die Sie beantworten können sollten. Welche Folgen eine solche Meldung für Spieler in Casinos ohne Lizenz haben kann, steht im Ratgeber zur Rechtslage.
Dieser Ratgeber gibt die Rechtslage wieder, wie ich sie als Spieler verstehe, mit Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine Beratung durch einen Steuerberater oder Anwalt. Bei Krypto-Gewinnen über der Freigrenze, bei regelmäßigen hohen Gewinnen an Tischspielen und bei jeder Nachfrage des Finanzamts sollten Sie sich beraten lassen.
Was die Zahlungswege für Auszahlungen bedeuten, inklusive der Netzwerkfrage bei USDT, lesen Sie im Ratgeber Zahlungsmethoden ohne Limit.
